Bandhavgarh-Nationalpark

fotofeeling Freitag, 9. März 2012, 7:06 Uhr

Nach einer ca. 5-stündigen Autofahrt durch ländliche Landschaft, wo Felder und nicht Dörfer das Bild bestimmten, Frauen auf dem Kopf das Holz transportierten und Männer in schattenspendenden Hütten auf den Feldern Wache hielten, die mit Dornengestrüpp und Ästen gesichert waren- näherten wir uns dem Bandhavgarh Nationalpark. Die letzten 10 km waren übelste Schlaglochpiste, auf der wir nur sehr langsam voran kamen.  Lemuren saßen am Weg und spielten auf der Straße die langen Schwänze über dem Rücken aufgerollt. Die Wegweiser zu unserer Lodge – The Treehouse Hideaway – waren ganz schön in die Jahre gekommen, wir waren schon gespannt, was uns erwarten würde.
Wow, war das ein toller Ort, wie im afrikanischen Busch. Alleine die Rezeption hätte auch in Afrika stehen können. Dicke geschwärzte Holzpfähle, alles offen unten der Essbereich und oben eine nette luftige Bar mit fetzigen Holztischen und Wohlfühlsesseln, wir waren beeindruckt.
Unser Haus war ebenfalls so, wie wir es uns gewünscht hatten. Eine Holztreppe führte uns mitten hinein in die Bäume und ca. 6 m über dem Boden stand unsere Hütte. Mit viel Glas und noch mehr Holz war sie großzügig, rustikal und bequem, so dass wir uns gleich Zuhause fühlten. Ein paar Raben begrüßten uns, die frech auf dem Geländer saßen und vor sich hin glucksten. Ein großer Balkon mit Liegen, Tisch und Stühlen ging nach hinten hinaus. Bambus umgab unser Häuschen, so war die Sicht zwar nicht allzu weit, aber der Abgeschiedenheits-Faktor war dafür umso größer.
Am Nachmittag ging es dann gleich auf unsere erste Safari. Ein Fahrer und ein Naturführer begleiten uns. Doch zuerst holperten wir wieder ein Stück über die Schlaglochpiste, dann waren wir am Tor. Zig Jeeps standen schon an. Na das konnte ja was werden. Weit kamen wir nicht, denn am Morgen gab es an einem Wasserloch die Sichtung eines Tigermännchens. Hier warteten wir. Es ist schon erstaunlich, wie gut die Naturführer die Lebensgewohnheiten der Tiger kennen, denn kaum sagte unser Führer, dass der Tiger gleich zum Trinken geht, schon wackelten die Zweige im Gestrüpp. Doch erst kam einmal ein Radfahrer, ein Forstarbeiter, der seelenruhig durch die Autos fuhren. Gebannt schauten wir weiter auf die Stelle. Look, look – take pictures, take pictures – rief unser Führer begeistert. Ihm zu liebe machten wir ein paar Schüsse, aber der Tiger war noch viel zu weit entfernt, außerdem verdeckten Bäume seinen Körper. Dann kam er näher und anfangs genau auf uns zu. Wow, was für ein mächtiger Kater. 4 – 5 Jahre war er alt und erst aus dem einen Teil des Parks hierher gewechselt.  Wenn nicht die ca. 40 anderen Autos gewesen wären, hätte man vielleicht mal die Positionen wechseln können und somit wirklich ein Bild von vorne ergattern können, aber so standen wir eingekeilt da und konnten nur abwarten und staunen. Die riesige Katze ging zum Trinken, aber das Wasserloch war so tief, dass uns die Sicht versperrt war. Nun begann der Rann um die besten Plätze, dabei hörte man auch immer wieder Metall aneinander kratzen. Die Jeeps verteilten sich halbrund um das Wasserloch herum. Wir standen ganz links, unser Führer meinte, dass dort der Tiger herauskommen würde – und er hatte recht. Plötzlich erschien der erste orange Fellflecken im graugelben Gras. Er kam direkt auf uns zu. Doch leider war es so laut auf den Jeeps, dass er sich bald schon nach links ins Unterholz wandte. Wir fuhren weiter, denn unser Führer vermutete, dass der Tiger bald schon aus dem Wald auf eine große Freifläche herauskommen würde, aber leider täuschte er sich diesmal. Der Bursche hatte sich fotogen auf einen Erdwall gelegt und beobachtete die Autos. Später kam er dann doch noch aus dem Wald, aber leider hielt er sich direkt an der Steinmauer, die die Parkgrenze bildete. Als er dann lossprintete, dachten wir schon der jagt, aber diese große Katze lief panisch vor Menschen davon, die hinter einer niedrigen Ziegelmauer entlang gingen.
Es war ein tolles Erlebnis, aber die Autos waren einfach zu viel, es wurde keinerlei Rücksicht aufeinander genommen und immer wieder hörte man bei Rangierversuchen das Blech knirschen. Ganz ehrlich, ich glaube Tansania und Kenia sind Peanuts dagegen. Doch das schmälerte nicht unsere Freude über diese etwas längere Tigersichtung.
Zurück im Treehaus war mir etwas komisch und beim Abendessen ging dann gar nichts mehr. Ich musste aufs Zimmer – nun hatte es auch mich erwischt und ich verbrachte einige Zeit im Bad.
Am nächsten Morgen wollte ich auf alle Fälle mit auf Gamedrive gehen, aber es ging überhaupt nicht. Müdigkeit und Übelkeit sind keine guten Wegbegleiter, dazu ein schlechter Kreislauf und ich musste mich geschlagen geben. Zähneknirschend fiel ich wieder ins Bett und schlief bis fast 9 Uhr. Um ca. 11 Uhr kam Chris wieder. Sie hatten leider an diesem Morgen kein Glück gehabt und keinen Tiger gesehen. Dafür ein 5 Tage altes Lemurenbaby, das dicht angekuschelt an seine Mutter mit großen Augen die Welt bestaunte sowie ein paar Hirsche und ein paar Vögel. Schade, ich hatte den Dreien die Daumen gedrückt, aber leider wohl etwas kraftlos.
Den ganzen Tag verschlief ich irgendwie, aber nach einer weiteren Nacht ging es mir wieder gut. Leider war an diesem Tag ja das Holi-Fest und es fand keine Safari statt. So erholten wir uns, lasen in unseren Büchern und schrieben etwas Blog. :-)

Nachtrag:

Nach dem Holi-Fest, wo ich (Chris) auch etwas Farbe im Gesicht abgekommen habe, ging es dann am Freitag wieder los auf Gamedrive. Andrea war soweit wieder fit, die Ruhepause hat Ihr gut getan.  Pünktlich um  5:00 war Wecken, mit einer kleinen Wegzehrung (Kekse und Kaffee) ging es gleich los in den Park, der um 6:30 öffnet. Am Morgen war es eisig kalt auf den offenen Jeeps. Wir hatten beide drei Lagen an und auch noch eine Decke und Wärmflasche. Ab ca. 9 Uhr konnten wir die erste Lage an Klamotten entfernen, bis es dann später schon wieder unerträglich heiß wurde. Gut, dass wir viel im Wald fuhren, denn dort herrschte ein angenehmes Klima durch die Bäume.
Leider war der Vormittags-Gamedrive, bis auf zwei Tiger im Gebüsch, von denen sich einer mal ganz kurz zeigte und gleich wieder verschwand nicht sehr ergiebig. Es handelte sich wieder um ein sehr beschäftigtes Paar. Der Nachmittag war leider auch nicht besser.
Kurzentschlossen machten wir am Samstagvormittag noch einen Gamedrive, da die Fahrt zum Kanha Nationalpark nur ca. 6 Stunden dauert und wir am Nachmittag im Kanha NP nichts geplant hatten.
Ein kleines Highlight bekamen wir dann doch noch, kurz vor dem Gate, wo wir nochmal nach einem Tiger Ausschau gehalten hatten, wanderte eine Dschungelkatze den Weg entlang und rekelte sich kurz im warmen Sand. Leider etwas weiter weg, so gab es auch kein Foto davon.
Auf dem Rückweg zur Lodge kreuzte dann nochmal eine Dschungelkatze unseren Weg.
Nach einem kurzen Frühstück ging es dann gegen 12:45 zum Kanha Nationalpark.

Khajuraho – eine der bedeutendsten kulturhistorischen Stätten Indiens

fotofeeling Montag, 5. März 2012, 16:19 Uhr

Nach einem kurzen Flug über dem Dunst von Varansi sind wir in der grünen klaren Oase Khajuraho gelandet. Hier hatte es locker 30°C und wir waren sofort nass geschwitzt. Unser Reiseführer stand zum Glück schon bereit und brachte uns ins Hotel. Dort gönnten wir uns eine  kleine Pause bevor es um 15 Uhr bei brütender Hitze zu den West-Tempeln ging. Dorthin brachte uns unser Fahrer. Nach einem kurzen Sicherheitscheck durften wir die gepflegte Grünanlage betreten.

Jetzt befanden wir uns auf einem Lehrpfad der klassisch indischen Architekturgeschichte. Alle Tempel wurden auf hohen Plattformen erbaut, um sie gegenüber der profanen Welt hervorzuheben. Jeder Tempel ist in Ost-West-Richtung ausgerichtet – der Eingang zeigt immer nach Osten in den Sonnenaufgang.
Die Tempel sind hauptsächlich wegen ihrer Skulpturen so bekannt. Göttliche Tänzerinnen, Götter, Paare, Musiker, Elefanten und viele andere Details kann man bewundern. Hier sind die Figuren nicht nur dekorativ sondern ein wichtiger Bestandteil der einzelnen Tempel.  Die meisten Reisenden kommen jedoch wegen der erotischen Szenen, die mit unvergleichlicher Detailgenauigkeit und Fantasie dargestellt sind.
Der Hinduismus ist eigentlich eine sehr offene Religion, jedenfalls war er es solange, bis der Islamismus Einzug hielt.

An diesem Abend fotografierten wir nur, aber am nächsten Morgen hatten wir einen Führer, der uns alles haarklein erklärte. Viele der Darstellungen entdeckten wir selbst, aber einige hätten wir nie und nimmer entdeckt. So waren auch Szenen von Sodomie und Homosexualität abgebildet, aber am meisten ging es um die Schönheit der Frauen und deren verführerische Körper. Breites Becken, tiefer Nabel, schlanke Körper – die Skulpturen waren wirklich einmalig.

Leider schwächelte Chris etwas, aber so saßen wir auch mal und beschauten uns alles in Ruhe. Am Abend hat es den Armen dann völlig erwischt. Durchfall und Erbrechen, hatten ihn nun nach zwei Wochen heimgesucht. Komischerweise hatte ich immer alles mit ihm geteilt und mir geht es gut. Mit Imodium akut, Magentropfen und Kohle habe ich ihn aber wieder soweit hergestellt, dass er am Morgen mit mir auf Tour gehen konnte. Er fotografierte zwar nicht viel, aber er wollte einfach nicht auf dem Zimmer bleiben. Uwe hatte es nachts erwischt und er konnte leider nicht mitkommen.
Die Tempelanlage erschien auf den ersten Blick ziemlich klein, aber wenn man die ganzen Details wahrnehmen möchte, braucht man schon Stunden oder Tage.
Am frühen Morgen besuchten wir noch einmal die West-Tempelanlage und schauten danach noch die kleinere Ost-  und die Mini-Südtempelgruppe an. Es war ein schöner interessanter Abstecher.  Die Südgruppe liegt an einem Fluss, wo viele Einheimische badeten und andere ihre Autos wuschen. Bei der Hitze sicher eine angenehme Beschäftigung.
Den Nachmittag verbrachten wir am Pool im Schatten eines riesigen Feigenbaums. Chris ging es langsam wieder etwas besser, nur Hunger hatte er noch keinen.

Da wir Frauen irgendwann einmal Hunger bekamen, beschlossen wir am Abend in die Stadt zu fahren und bei einem im Reiseführer gelobten Italiener essen zu gehen. Etwas anderes hätte Chris nicht essen wollen und uns Mädels kam eine Steinofenpizza gerade recht. Dünner knuspriger Teig mit leckerem Belag – was will Frau mehr.:-)
Uwe konnte noch nichts essen, aber er kam mit uns mit und hielt sich tapfer. Mit einem Tuk Tuk ging es knatternd ins Hotel zurück, was für ein Spaß.
Morgen fahren wir in den Bandhavgarth-Nationalpark und sind schon gespannt, was uns dort erwartet. Dummerweise haben wir heute erfahren, dass die Regierung das Holi-Fest (farbenfrohes Frühlingsfest) zum Feiertag erklärt hat und wir an diesem Tag keinen Gamedrive haben. Das ist schon etwas ärgerlich, denn gerade auf diesen NP hatten wir uns schon besonders gefreut.

Liebe Grüße aus dem Lazarett Indien 2, Andrea (und Chris)

PS: Ein paar Bilder haben wir dem Jim Corbett Nationalpark zugefügt.

Varanasi – Heilige Stadt am Ganges

fotofeeling Sonntag, 4. März 2012, 17:31 Uhr

Varanasi bzw. Benares, wie die Stadt früher  hieß, kann auf eine rund 3000 jährige Geschichte zurückblicken. Sie ist somit eine der ältesten dauerhaft besiedelte Städte der Welt.
Die Stadt liegt direkt am Ganges und ist eine der heiligsten Stätte der Hindus. Seit ca. 2500 Jahren strömen die Pilger hierher, um sich von ihren Sünden im Ganges frei zu waschen. Wer in Varanasi stirbt oder ein Bad im Ganges nimmt, durchbricht den ewigen Zyklus der Geburt und Wiedergeburt und die Seele wird frei.

Der Verkehr in Varanasi ist bisher mit das Heftigste, was wir bisher gesehen haben. Hier findet man auch Verkehrspolizisten, die versuchen den Verkehr zu regeln. Zu den vielen Autos, Rikschas, Tuk Tuks laufen auch ganze Herden Wasserbüffel durch die Stadt. Die Stadt wirkt einfach nur übervoll.

Am Nachmittag besuchten wir zuerst das 1. Ghat, das Assi Ghat, welches aber sehr wichtig sein soll. Hier war nicht viel los und nach einem kurzen Fotostopp ging es dann schon zu Fuß durch den  lokalen Markt in der Altstadt. Hier musste man immer sehr auf den Weg achten, denn immer wieder lagen  viele Hinterlassenschaften von Tieren herum. Hunde und heilige Kühe findet man überall. In den engen Gassen des Marktes trafen wir immer wieder auf Polizisten, die hier kleine Tempel bewachten. Begeistern konnte uns der Markt nicht mehr, vermutlich waren wir auch schon übervoll von Eindrücken und immer noch übermüdet von der Nacht.
Unser Weg führte uns dann direkt zum Hauptghat, wo es jeden Abend eine heilige Gebetszeremonie am Ufer des Ganges gibt.

Direkt an den Ghats findet man sehr viele Bettler und heilige Männer, die aber nicht sehr aufdringlich waren.  Wir suchten uns gute Plätze zum Fotografieren aus und beobachteten das bunte Treiben der Menschen. Gegen 18:45 begann dann die Gebetszeremonie. Es war eine tolle Atmosphäre am Ganges. Die Musik und die sieben Priester führten eine beeindruckende synchrone Zeremonie durch. Toll waren natürlich die brennenden Leuchter und der viele Rauch, der die Priester einhüllte. Wir waren begeistert. Nach einer knappen Stunde war dann alles vorbei. Menschenmassen strömten vom Ganges weg in die Altstadt. Wir mussten gut 10 Minuten durch den Verkehr laufen.
Eine Kreuzung zu überqueren war fast nicht möglich, so folgte ich dann auch unseren Guide, der in eine Rikscha einstieg, um sie auf der anderen Seite zu verlassen. Für die Frauen hielt Uwe Rikschars an und loste sie über die Straße. Hier war fast kein Durchkommen mehr zu Fuß. Geschafft und verschwitzt kamen wir dann am Auto an und fuhren ins Hotel.

Am nächsten Morgen ging es dann um 5:45 zur Bootsfahrt auf den Ganges, um die Pilger beim Baden zu fotografieren. Wir sind zu viert in ein großes Ruderboot eingestiegen und schon waren wir auch dem Ganges unterwegs. Zuerst hielten wir uns an den Ghats auf, wo viele Pilger sich rituell wuschen und das Wasser des Ganges tranken. Danach ruderte unser Bootsführer zu den Verbrennungsghats.
Eine Verbrennung war nicht im Gange, aber der Ort vermittelte eine unheimliche Stimmung. Hunde liefen zwischen dem ganzen Holz, Müll, Asche und sicherlich auch menschlichen Überresten auf der Suche nach Fressbarem umher. An einem Boot sahen wir auch etwas Seltsames hängen, evtl. ein Tier oder auch ein menschlicher Kadaver. Nach der Bootsfahrt liefen wir noch kurz im Ghat herum und sahen uns diese Perspektive an. Es war ein buntes Treiben an Pilgern, Heiligen Männern, Bettlern und vielen Touristen.

Für eine Stunde ging es kurz ins Hotel zum Frühstücken, dann waren wir schon wieder unterwegs.
Wir besuchten eine Brokatweberei, wo auf altertümliche Weise, Sari´s hergestellt werden.
Für 6 Meter Stoff benötigt der Arbeiter an der Webmaschine ca. 2 Monate.
Anschließend ging es in den Verkaufsraum, wo unsere Mädels einige tolle Schals aus Pashmina und Seide erstanden.
Nach dem Einkaufsmarathon besuchten wir noch einen Hindu Tempel, den Mother India Tempel.
Im Tempel war eine große dreidimensionale Plastik auf dem Boden, die Indien und die Anreihnerstaaten darstellt. Für eine ausgediegene Mittagspause ging es zurück ins Hotel.
Da es im Hotel horrende Preise für das Internet gab (441 Rupien, ca. 6 Euro die Stunde) gingen wir auf gut Glück in die Einkaufspassage direkt vor dem Hotel. Hier findet man zahlreiche Geschäfte und auch einen Mc Donalds und Pizza Hut. Wir hatten Glück und fanden auch ein kostenloses WIFI, dazu tranken wir leckeren Cappuccino. Kaffeegenuss ist hier kleingeschrieben. So ist sogar Andrea auf Masala Tee umgestiegen – das ist schwarzer Tee mit Gewürzmischung verfeinert.

Gegen 16 Uhr holte uns ein neuer Fahrer ab, da unser alter Fahrer angeblich von der Polizei verhaftet wurde, so sagt es uns zumindest der Guide, der uns den neuen Fahrer vorstellte.
Da uns die Abendvorstellung am Ganges so gut gefallen hat, ging es gleich wieder dorthin. Nun kannten wir die Lokalität und nahmen unser Fotoplätze, fast in der ersten Reihe wieder ein.

Was soll ich sagen, die Zeremonie war wieder einfach toll und der junge Priester, der uns am nächsten war, sah auch noch sehr gut aus, sehr zur Freude unserer Frauen.  Heute, am Samstag, war es auch deutlich voller. Geschafft und zufrieden, gab dann zum Abschluss noch ein leckeres chinesisches Gericht im Hotel.

Mittlerweile sind wir in Khajuraho nach einem 40 minütigen Flug angekommen. Das Radisson Hotel ist sehr schön und es gibt auch wieder kostenloses WLAN :-)

Liebe Grüße

Andrea & Christian

Und diesmal gibt es gleich ein paar Bilder

Agra – Taj Mahal

fotofeeling Samstag, 3. März 2012, 8:49 Uhr

Nach einer Nacht im Luxus im Vergleich zum Camp im Park ging es nach dem Frühstück um 7:30 los in Richtung Agra. Laut GPS sind es ja nur 330 km, veranschlagt war die Fahrt mit 7 – 8 Stunden.
Sehr zu unserer Freude hatten wir wieder den gleichen Fahrer, der uns schon sicher von Haridwar zum Corbett Nationalpark fuhr.

Mit einer prall gefüllten Lunchbox ging es dann pünktlich los. Die Fahrt war sehr interessant, wir sind durch viele Dörfer und Kleinstädte gefahren und haben allerhand auf und neben der Straße erlebt. Die Straßen und der Verkehr waren wirklich ein Erlebnis. Besonders gut haben uns immer die geschlossenen Bahnübergänge gefallen. Aus den zwei Spuren – eine für uns und eine für den Gegenverkehr – werden vor der Schranke auf einmal 4 Spuren in die eine Richtung und auf der anderen Seite der Schranke auch 4 Spuren, die sich aus Autos, Bussen, Rikschas, Tuk Tuks, fahrbaren Verkaufsständen und Fußgängern dicht an dicht drängten. Wenn die Schranke dann endlich aufgeht, verdichtet sich der Verkehr nochmal kurzfristig, so dass nur noch eine Handbreit zum Nachbarn frei ist und es geht erst mal für gefühlte 15 Minuten gar nichts, obwohl wir in dritter Reihe standen.
Nach einer sehr langen Fahrt von ca. 10 Stunden über Stock und Stein, die Straßen waren zum Teil wirklich breite Schotterpisten oder voll von Schlaglöchern, wo wir auch immer wieder mal mit dem Auto aufsetzten, empfing uns Agra mit der Rushhour, das Hupen war mal wieder allgegenwärtig.
Nach einer kurzen Suche fanden wir dann auch das Hotel, das Jaypee Palace. Welch ein Palast!
Wir waren mit dem Prunk und Luxus nach der Fahrt ein wenig überfordert.

Leider war es schon zu spät, so dass wir gleich im Hotel blieben. Gerne hätten wir noch den Sonnenuntergang am Taj Mahal über den Fluss erlebt, doch es fehlte die Zeit.

Wir entschieden uns am Buffet teilzunehmen. Stolze 1150.- Indische Rupien (ca. 20.- €) sollte der Spaß kosten. Erwartet hat uns dann eine bessere Kantine mit einer extremen Lautstärke, die vor allem von den Asiaten erzeugt wurde. Kurz gesagt, das Essen war beschissen, weder die Hauptspeise noch der Nachtisch waren das Geld wert. Das einfache Essen im Dikalha Forest Camp war weit leckerer und indischer als das Essen im Nobelhotel. Gefrustet gingen wir dann auch ziemlich schnell ins Bett.
Leider sind vor allem Andrea und Uwe ziemlich erkältet, ich kämpfe auch noch hartnäckig gegen eine  Grippe, die aber nicht so schlimm ist.
Das sind wohl noch die Nachwirkungen von den kalten Füssen in Amristar.

Am nächsten Morgen gingen wir dann gleich zum Sonnenaufgang (6:15 Uhr) ins Taj Mahal. Nach einem kurzen Security Check standen wir dann vor dem Weltwunder. Ein wirklich imponierendes Gebäude aus weißem transparentem Marmor ragte vor uns empor. Wir waren ziemlich die ersten und stürmten relativ schnell den Marmorsockel, auf dem das Taj Mahal steht.

Das Taj Mahal ist ein riesiges Mausoleum, welches der Mogulherscher Shah Jahan zu Ehren seiner 1631 verstorbenen Lieblingsfrau Mumtanz Mahal errichtet hat. Die Bauzeit war zwischen 1631 und 1648. Weißer Marmor ist das Hauptmaterial der Anlage. Eigentlich hätte es noch ein Gegenstück aus schwarzem Marmor auf der gegenüberliegenden Flussseite geben sollen. Mit dem Taj Mahal hatte Shah Jahan leider die Staatsfinanzen ruiniert, daher wurde er von seinem Sohn gestürzt und musste die letzten Lebensjahre unter Hausarest im Roten Fort verbringen und sein Traum in schwarzem Marmor blieb unerfüllt. Zumindest konnte er immer auf das Grabmal seiner geliebten Frau blicken.

Gerade passend kam dann auch die Sonne durch den Dunst und das erste Licht fiel auf das Grabmal.
Leider kamen sehr schnell viele Menschen und es wurde zusehends immer schwieriger mit dem Fotografieren. Um 10 Uhr strichen wir dann die Segel und sind in Windeseile zum Hotel zurückgefahren, um noch schnell zu frühstücken. Mit 15 Minuten Verspätung kamen wir an und bekamen noch unser Frühstück. Nach einer kurzen Pause ging es dann gleich zum Roten Fort. Eine riesige und ca. 2,5 km lange Festungsmauer umfasst die Kaiserstadt der Mogul Herrscher aus dem 16. Jahrhundert. Es war schon sehr beeindruckend. Es sind nur 20 % der Anlage für Touristen zugänglich, der Rest wir so nach und nach renoviert. Vom Fort hat man eine mehr oder weniger schöne Aussicht auf das Taj Mahal.
Mit unserem Fahrer fuhren wir zur nächsten Sehenswürdigkeit dem Itimad-du-Daula Mausoleum. Es wurde um 1628 gebaut und war das erste Bauwerk der Mogulzeit dass in Marmor ausgeführt wurde und ist zum Vorbild für das wenig später errichtete Taj Mahal geworden. Das Baby Taj Mahal, wie es auch genannt wird, ist das Grabmal von Mizra Ghiyas Beg, er war der Großvater von Mamtaz Mahal.

Zum Sonnenuntergang ging es dann noch auf die andere Flussseite um das Taj Mahal zu fotografieren. Das Grabmal ist hier von Nord nach Süd angeordnet, so dass die Sonne weit rechts untergeht und nur das warme Licht auf den Marmor wirft. Es war trotzdem sehr schön, obwohl die Sonne schon 15 Minuten vor Sonnenuntergang durch den Dunst und Smog extrem an Kraft verlor.

Nach dem Debakel vom Vortag und dem schlechten Gesundheitszustand entschieden wir uns für  ein schnelles Essen. Erst besorgten wir noch ein paar Bier und dann  fuhren wir noch schnell zu Mc Donalds, denn viel Hunger hatte keiner mehr und im Hotel Essen gehen war mittlerweile ein Tabu für uns. Wir bestellen einige Hähnchenburger und fuhren ins Hotel. Am Sicherheitscheck (wie am Flughafen) wurden wir mit Interesse gemustert, als wir mit unserer Fotoausrüstung und den Mc Donalds Tüten ins 5 Sterne Hotel gingen. Im Hotel wurden wir dann von den Touristen weiter gemusterte. Ich (Chris) bin besonders aufgefallen, da ich außer den Stativen, zwei Mc Donalds Tüten und zweimal Cola in einer praktischen Henkeltüte durch die Gänge trug.
Im Zimmer spülten wir dann den Festschmaus mit viel Kingfisher- und Elephantbier hinunter.

Da uns das Taj Mahal so gut gefallen hat, sind wir am nächsten Morgen gleich wieder los. Kurz vor 6 Uhr brachte uns unser Fahrer zum Ticketschalter im Museum (Eintritt liegt bei 750 Rupien, für Einheimische liegt er bei 20 Rupien).

Diesmal war es sehr viel dunstiger aber auch sehr schön. Da wir uns nun schon auskannten, konnten wir noch ein paar Bilder ohne Menschenmassen machen.

Gegen 9 Uhr machten wir uns langsam mit ein paar Fotostopps wieder auf Richtung Ausgang. Zu dieser Zeit gab es keine langen Warteschlangen mehr, wer also lieber später kommt, muss zumindest nicht mehr anstehen. Auf dem Gelände des Mausoleums herrschte aber Hochbetrieb. Menschenmassen über Menschenmassen,  jeder versuchte seine Fotos zu machen, ohne fremde Leute auf dem  Foto geht es aber nicht.

Nach einem kurzen Frühstück im Hotel machten wir eine Pause und packten unser Gepäck fertig, denn um 12 Uhr hieß es auschecken. Das Gepäck konnten wir hier sicher abstellen, dann fuhren wir noch zum „Tomb of Akbar – The Great Mausoleum“  der letzten Ruhestätte des Mogulkaisers Akbar in Sikandra 10 km nördlich von Agra. Die Anlage ist eine sehr schöne und gepflegte Parkanlage mit Antilopen, Sittichen, Pfauen und Affen. Der Vorraum des Mausoleums ist sehr schön mit farbigen Malereien ausgestattet. Das Grabmal selbst ist sehr schlicht, nur der Sarkophag steht hier unter der riesigen Kuppel.

Anschließend besuchten wir noch eine Marmor Manufaktur und einen kleinen Silberschmuckladen, gekauft haben wir aber nichts :-)
Für die später folgende Nachtfahrt haben wir uns noch in einem netten Restaurant gestärkt.
Die restlichen 2 Stunden verbrachten wir dann im Hotel. Gegen 20 Uhr verließen wir das Hotel mit unserem Fahrer und einem neuen Guide der auf der Fahrt zustieg, Am Bahnhof war einiges los. Unser umsichtiger Fahrer verscheuchte immer mal wieder Leute die uns anstarrten.
Pünktlich lief der Zug ein, jetzt nur noch schnell ein Gleiswechsel der über eine steile Treppe rauf und dann wieder runter führte. Das war dann auch schon der letzte Kraftakt.

Wir hatten im 1. Klasse Schlafwagen 4 Betten gebucht in der Annahme, dies wäre für uns ein eigenes Abteil. Aber falsch gedacht, in Indien wird gestapelt und vollgestopft bis auf den letzten Platz.
Uns traf fast der Schlag, als wir unsere Bleibe für die Nacht sahen. Ein enger Zugwaggon links vom Gang sind zwei Betten längs angeordnet und recht befinden sich dann 6 Betten jeweils drei auf einer Seite. Abgeteilt wir das Ganze nur mit einem losen Vorhang. Unser Gepäck nahm alleine schon zwei Betten ein. So dass wir nur noch zu viert auf einer Seite sitzen konnten, denn das andere Bett konnten wir nicht aufklappen, denn sonst hätten wir nicht mehr sitzen können. Eines der oberen Betten war bereits von einem netten Inder belegt. Da Andrea noch immer nicht so fit war, kletterte sie in das andere freie Bett und hatte zumindest gut eine Stunde ein relativ bequemes Bett, bis ein Inder zustieg, dem das Bett gehörte. Zu viert schliefen wir dann in allen möglichen Positionen im Sitzen, das wäre sicherlich ein interessantes Zeitraffervideo geworden. Die Nacht schien nicht vorüber zu gehen. Nach ca. 13 h in der indischen Bimmelbahn waren wir dann fix und fertig. Wir dachten schon nach dem Dikhala Camp im Corbett hätten wir das Schlimmste hinter uns, aber Schlimmer geht immer. Zu allem Überfluss schnarchte der neue Inder über uns dermaßen laut, so dass wir uns dann den MP3 ins Ohr stecken mussten. Wir haben es aber mit Humor genommen und hatten auch immer wieder unsere Lacher :-) .

Gegen 10.45 sind wir dann endlich in Varanasi angekommen, wir mussten nun noch gut eine Stunde auf das Zimmer warten. Normalerweise ist der Check in erst um 14 Uhr. Wir hatten also Glück. Das Hotel Ramada Plaza macht einen guten Eindruck. Mal schauen, wie es hier mit dem Essen aussieht.

Um drei Uhr werden wir dann Varanasi mit seinen zahlreichen Ghats am Ganges und die Verbrennungsstätten besuchen.

Liebe Grüße

Andrea & Christian

PS: Mal schauen, ob ich heute noch ein paar Bilder bearbeiten kann.

Und hier noch die versprochenen Bilder.

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