fotofeeling Mittwoch, 22. Dezember 2010, 10:07 Uhr
Hallo Ihr Lieben,
Chris hat nun endlich den gesamten Antarktisbericht mit den Bildern an der richtigen Stelle hochladen können. Er hat auch die Komentare angefügt. Der restlichen Bloginhalt nach der Antarktisreise wurde auf privat verschoben, denn mehr als die Antarktisreise hatten wir ja nicht. Nur, dass Ihr Euch nicht wundert, wo einige Blogeinträge geblieben sind.
Es wir auch wieder einen ausführlicheren Reisebericht mit dem Titel “Reise zu den Pinguinen” geben.
1. Teil – Falkland Inseln
Nach vier Tagen auf See, kommt jetzt die erste kleine Zusammenfassung.
Das Wetter war Vormittags in Ushuaia ziemlich bewölkt und eingentlich hat es nicht mehr nach Sonne und blauen Himmel ausgeschaut. Doch kurz nach Mittag änderte es sich schlagartig und Ushuaia zeigte sich von seiner schönsten Seite.
Endlich war es 16 Uhr und wir fuhren mit einem Taxi zum Hafen. Das war dann doch ein ziemlicher Aufwand und ein sehr sportlichen Einsatz, denn unser schweres Gepäck, bestehend aus einer großen Alukiste, zwei Taschen, einem Koffer und unseren zwei vollen Fotorucksäcken mußte aus einem Taxi durch die Abfertigungshalle und dann mit einem Gepäckwagen über den langen Pier bis zu unserem Schiff. Es war schon ein tolles Gefühl, vor der Polar Star zu stehen und zu wissen, dass dieses Schiff für die nächsten Wochen unser Zuhause sein wird.
Bei einem Sonnen- und Wolkenmix und einem tollen Regenbogen verließen wir den Hafen von Ushuaia. So ungefähr hatten wir uns den Abschied von Ushuaia vorgestellt bzw. gewünscht.








Wir waren natürlich mega aufgeregt und nervös. Unser Zimmer ist klein aber fein und was ganz wichtig ist, die Matratzen der Betten sind perfekt. Zwei große Fenster erhellen den Raum.
Hier noch ein kleiner Rundgang über unser Schiff, die Polar Star








Im Beagle Kanal hatten wir noch sehr ruhige See, so dass uns das Abendessen sehr gut schmeckte. Je weiter wir auf den Südatlantik kamen, desto rauer wurde die See und das Schiff kam schon etwas ins Rollen. Im Laufe der Nacht wurde es noch stürmischer, aber witziger weise, schaukelte uns gerade das Rollen in einen tiefen festen Schlaf. Der darauffolgende ganze Tag auf dem Wasser war echt anstrengend, denn ständig fielen uns die Augen zu und wir mussten uns immer wieder zwischen den einzelnen Veranstaltungen hinlegen. So viel Schlaf haben wir noch nie auf einer Reise bekommen.
Auf unserer Reise begleiten uns fast immer Albertrosse und Sturmvögel




Ein paar Eindrücke von New Island








Weitere Eindrücke von unserem 2. Landgang – West Point Island auf den Falkland Inseln








Natürlich besuchten wir auch Stanley, die Hauptstadt der Falkland Inseln und fuhren von dort aus in das kleine Naturreservat Gipsy Cove. Hier war großräumig alles abgesperrt, einerseits zum Schutz der Tiere und andererseits weil sich dort noch Mienen vom Krieg befinden sollen. Die Landschaft war der Hammer, schneeweißer Strand, türkieses Wasser umrahmt von einer spektakulären Steilküste. Albatrosse schwammen auf dem Wasser, Karakaras schauten nach Beute und Magellanpinguine badeten vergnügt in den Wellen. Zurück in der Stadt, die wirklich sehr britisch ist, wanderten wir am Hafen entlang bis zu einem putzigen Museum und dann langsam wieder zurück, vorbei am Haus des Gouverneurs, vielen netten kleinen Geschäften, bunten Häusern. Wir trafen auch auf zwei süße kuschlige Katzen, die sich gerne von uns kraulen ließen. In einem der Geschäfte war es dann um uns geschehen und wir mussten etwas mehr Platz im Gepäck schaffen, denn ein kleiner dicker Königspinguin und eine Minirobbe wollten unbedingt mit uns mitreisen.








Mittags ging es wieder aufs Schiff zurück und beim Mittagessen erfuhren wir, dass jemand sein Laptop an Land vergessen hat. Da wir bereits schon auf dem Weg aus dem Hafen waren, musste wir drehen und etwas warten, bis die Küstenwache uns das Laptop brachte. Der Besitzer des Laptops gehört zur Crew und bekam von Ian Tamblyn, unseren Sänger und Songwriter, gleich am Abend ein eigenes Lied frisch komponiert zu hören, was alle Zuhörer sehr belustigte.
Auf offener See waren die Wellen wieder sehr hoch und wir wurden ganz schön durchgeschaukelt. Dank einem festen Punkt hatten wir bisher keine größeren Probleme und heute sind die Wellen nur 2 -3 Meter hoch. Dafür lässt uns leider die Sonne im Stich, was aber wiederum unseren pellenden Nasen sehr entgegen kommt. Immer mal wieder begleiten Delphine unseren Eisbrecher, zum Glück sind wir oft draußen und bekamen sie auch zu sehen.
Jetzt haben wir Kurs auf Südgeorgien und werden noch bis Übermorgen auf dem Meer sein. Heute kommen noch ein paar interessante Vorträge über die verschiedenen Robbenarten und natürlich über Shackleton.
Bis demnächst aus dem Schiffstagebuch, Eure Abenteurer Andrea & Christian
2. Teil – Südgeorgien
So Ihr Lieben,
hier nun die nächste kleine Zusammenfassung unseres Aufenthalts auf Südgeorgien. Laut unserer Expeditionsleiterin hatten wir enormes Glück. Sie hat noch nie erlebt, dass es windstill war und dass alle Anlandungen geklappt hätten. Von daher war die Reise bisher ein voller Erfolg. Das Wetter bot fast alles, was es zu bieten hat. So hatten wir von fast wolkenfreien Himmel bis hin zu Dauerregen alles dabei. Wir sahen Gletscher bis ins Meer, die ersten Eisberge und eine Bilderbuchlandschaft, die uns schier den Atem verschlug. Königspinguine beäugten uns neugierig und absolut niedliche Seeelefantenbabys kuschelten mit uns. Aggressive Ohrenrobben legten sich besonders mit Chris an, so dass er auch mal unsanft auf den Boden der Tatsachen – in diesem Fall dem Steinstrand – landete.
Jetzt sind wir wieder für die nächsten drei Tage auf dem offenen Meer in Richtung Elephant Island unterwegs und haben relativ hohe Wellen. Das Schiff schaukelt ganz schön heftig und jeder sucht sich etwas, was ihn ablenkt. So liest Chris in seinem Antarktis-Krimi und ich schreibe ein wenig. Das Frühstück hat immerhin noch geschmeckt und auch der Kaffee.
Am 28.11. machten wir morgens zunächst eine Erkundungstour mit dem Zodiak und fuhren entlang der rauen Küste mit kleinen Buchten und Stränden von Elsehul. Hier sahen wir auf den Felsen eine Macaroni Pinguinkolonie, Ohrenrobben schwammen elegant durch das Wasser oder lagen bei ihren Jungen an Land, Seeelefanten kuschelten sich aneinander und Seevögel schwammen auf dem Wasser oder stritten sich an Land um die Überreste eines Robbenbabys. Am Beeindruckendsten war jedoch die Geräuschkulisse. Die Rufe der Pinguine, das Geschrei der Sturmvögel und die Laute der Robben prägten sich bei uns ein. In unserem Zodiak herrschte absolute Stille, denn jeder genoss den Sound der Natur.




Um 14 Uhr starteten wir zu unserer nächsten Anlandung in Salsbury Plain. Hier befindet sich die zweitgrößte Königspinguin Kolonie von Südgeorgien. Es haute uns schier um. Soweit das Auge reicht sahen wir die hübschen Pinguine mit dem gelben Latz und den gelben/orangen Ohrflecken. Sie betrachteten uns genauso neugierig, wie wir sie und kamen des Öfteren sogar angewatschelt, um uns besser in Augenschein nehmen zu können. Wir wanderten den Strand entlang durch tausende von Pinguinen, Ohrenrobben Familien und Seeelefanten bis zum Herz der Pinguin Kolonie, wo unzählige dicke braune Flauschkugeln nach ihren Eltern und Futter zwitscherten. Jeder, der schon einmal den Film “Die Reise der Pinguine” gesehen hat, kann sich sicher an das Trompeten der Alttiere und das klangvolle Zwitschern der Jungtiere erinnern. Ein Naturkonzert, das seines gleichen sucht! Im Film waren es zwar die Kaiserpinguine, aber die Könige sind ja nur etwas kleiner und zierlicher. Die Zeit verrannte viel zu schnell und schon waren wir wieder an Bord unseres Schiffes.








Ein kleines Pinguin Video hab ich auch noch fertiggestellt.
Königspinguine – Salisbury Plain – Südgeorgien
Am nächsten Tag gab es gleich drei Anlandungen. Um 4 Uhr morgens – ganz nach Chris Geschmack – ging das erste (unser) Zodiak nach Whistle Cove, Fortuna Bay. Hier hatte es auch wieder zahlreiche Ohrenrobben, Seeelefanten und eine kleine Königspinguin Kolonie. Am frühen Morgen sind die possierlichen Frackträger sehr agil, sie gehen ins Meer um zu fischen bzw. kommen wieder zurück, um die Jungen zu füttern. So war ein reges Treiben am Strand und gruppenweise kamen uns die Pinguine entgegen. Die Landschaft war fantastisch. Zum Greifen nahe Berge zum Teil mit Schnee bedeckt. Rentiere grasen friedlich an den Berghängen, ein Wasserfall rauscht in die Tiefe und immer wieder durchziehen kleine Gletscherbäche die Traumlandschaft.




Nach dem Frühstück landen wir auf Fortuna Bay. Hier starteten wir zu einer 5,5 km langen Wanderung. Wir gingen die letzte Etappe von Shackletons Rettung nach und kamen in Stromless an, wo uns unser Schiff abholte. Das war vielleicht eine grandiose Wanderung durch eine einzigartige Landschaft. Wir waren ständig die Letzten und unsere Kameras glühten vor lauter Auslösungen. Das Wetter war uns wohl gesonnen, so schien die Sonne pausenlos. Über schroffes Gestein vorbei an hohen Bergen, Kraterseen und über Wiesen und Moose führte uns ein toller Höhenweg bis zu der Bucht, wo Shackleton auf die Walfangstation Stromness traf und Hilfe für sich und seine Männer bekam. Auf dem Rückweg zum Schiff sahen wir auf einem Hügel eine Pinguin Kolonie relativ weit weg vom Meer. Chris wollte sie sich näher anschauen und ich wartete unten, als er mich rief und aufforderte nach oben zu kommen. Die Kletterpartie hatte sich gelohnt, denn oben auf dem Hügel war eine kleine Eselpinguin Kolonie. Sie hatten schon Junge, jeweils zwei Küken saßen in einem Nest und wurden von einem Elternteil beschützt, während der andere auf Nahrungssuche im Meer war. Immer wieder versuchten freche Skuas (Raubmöwen) die ausgewachsenen Pinguine abzulenken, um an die Kleinen zu kommen. Aber es waren neben den “Nestsitzern” genug andere Pinguine bei der Kolonie, die sofort angelaufen kamen und die Skuas verjagten. Das war ein richtig krönender Abschluss für den tollen Ausflug.












Am Nachmittag näherten wir uns Grytviken, einer ehemaligen Walfangstation und einer Forschungsstation. Das Wetter war super und schon bald lockte uns eine gigantische Bergkulisse aus unserer Kabine. Hier sahen wir auch die ersten Eisberge, die aus den Gletschern, die bis ins Meer reichten, abstammten. Die Forschungsstation war wunderschön gelegen. Mit dem Zodiak ging es an Land, wo wir vor dem Grab von Shackleton einen Whisky zu seinen Ehren tranken. Anschließend besichtigten wir die Walfangstation und entdeckten bestürzt, dass die Engländer noch bis 1965 Wale und Robben abschlachteten. Abends gab es ein BBQ und danach spielte Ian mit ein paar Jungs aus der Forschungsstation irische Lieder. Ian hatte auch ein ganz besonderes Lied über Shackleton komponiert, das wunderschön ist und später im Reisebericht zu hören ist.




Am nächsten Morgen landeten wir auf Godthul an. Der ganze Strand war mit Walknochen übersät. Hier ging es vorbei an Ohrenbobben hinauf auf einen Hügel, wo eine riesige Eselspinguin Kolonie ihre Jungen aufzieht. War das klasse. In jedem Nest lagen zwei Kleine und wurden liebevoll von einem Elternteil umsorgt, während der Partner den langen Weg bis zum Meer läuft und dort Futter für die Kleinen besorgt. Wieder warteten Skuas auf eine passende Gelegenheit, um ein Kleines aus dem Nest zu stehlen, aber die Eselspinguine sind wahre Meister in der Verteidigung. Wenn Zwei Skuas sich an einem Nest zu schaffen machen und der Pinguin überfordert ist, kommt sofort ein anderer Pinguin zu Hilfe geeilt und verjagt die lästigen Räuber.




Am Nachmittag landeten wir in Gold Harbour an, wo über 25000 Königspinguine brüten. Die Landschaft war wieder grandios, aber leider hatte sich das Wetter schon stark verschlechtert. So hingen dicke Wolken über dem Gletscher und man konnte nicht allzu weit schauen.
Bevor wir wieder aufs Schiff gingen fuhren wir noch mit dem Zodiac am Gletscher entlang und genossen die Nähe des blauen Eises.








Am nächsten Morgen standen wir schon um 3.10 Uhr mit Hannahs liebem Weckruf auf. Dann ging es mit dem ersten Zodiak (wie Ihr sicher auch nicht anders von uns erwartet hättet) rüber in die St. Andrews Bay. Leider war das Wetter ziemlich schlecht. Dicke Wolken hingen fast bis auf den Boden und es nieselte leicht. Wir gingen am Strand entlang bis zu einem relativ reißenden Fluss. Am Fluss entlang wanderten wir bis zum Gletscher. In St. Andrews Bay gibt es die größte Königspinguin Kolonie der Welt. Überall standen unsere kleinen Freunde herum, aber auch Rentiere, Ohrenrobben und Seeelefanten waren wieder zahlreich vertreten. Nach dem Frühstück ging es noch einmal raus zur Bucht. Diesmal überquerten wir den Fluss und konnten von einem Hügel aus ins Herz der Kolonie gucken. Gigantisch! Soweit das Auge reicht war alles mit Königspinguinen voll. In der Mitte die dicken braunen Flauschkugeln, die ihre schönsten Lieder zwitscherten und von ihren Eltern liebevoll umsorgt wurden. Leider regnete es immer stärker, aber wir machten das Beste draus und Chris probierte sich in tropfnassen Pinguinen.








Zurück an Bord legten wir auch gleich ab und begaben uns auf den Weg nach Elefant Island, unseren ersten Stopp in der Antarktis. Dafür mussten wir noch einmal die Küste umrunden. Dank tiefhängender Regenwolken sahen wir zunächst gar nichts und ich schlief ein wenig, bis Chris mir die Decke wegriss und wir nach draußen eilten. Gold Harbor lag im schönsten Licht vor uns, während der Rest der Insel in dichten Wolken versteckt lag.
Kaum waren wir wieder in der Kabine und lasen etwas in unseren Büchern, da mussten wir schon wieder raus, denn abermals hatten sich die Wolken gelichtet und die märchenhafte Küste verabschiedete uns gebührend mit ihren schneebedeckten Bergen. Irgendwann wurden die Wolken wieder dichter und Südgeorgien war verschwunden.
Je weiter wir aufs offene Meer zusteuerten desto höher wurden die Wellen und irgendwann erreichten sie 5 Meter. Der Kapitän gab Anweisung die Fenster abzuschotten, denn es wurde noch mehr Sturm erwartet. Wir wurden auch nicht enttäuscht, denn die Wellen steigerten sich auf 7 Meter und das Schiff schwankte bis zu +/- 25%. Was für ein Geschaukel! Chris ist absolut seefest, aber ich tue mich da schon schwerer. Dank Pflaster und Kaugummi komme ich auch noch ganz gut klar und das Essen schmeckt noch immer. Am Vormittag waren wir auf der Brücke und Chris machte ein paar Bilder von draußen, da unser Deck 3 und auch das Deck 4 immer noch gesperrt sind und so können wir nur auf Deck 5 oder der Brücke an die frische Luft. Als Chris auf der Brücke von draußen noch ein paar Bilder machte, kam eine gigantische Welle und machte auch hier oben die Scheiben nass. Dementsprechend tropfnass kam Chris wieder nach drinnen. Aber die Bilder waren es wert.
Das kurze Video mit Chris und der Dusche findet ihr hier Chris und die Polarstar Dusche
Wir hoffen, dass sich der Sturm langsam beruhigt und wir bald wieder in ruhigeres Fahrwasser kommen.




Die nächste kleine Zusammenfassung folgt aus der Antarktis. Bis dahin, Servus aus der Schiffsschaukel, Eure zwei verrückten Seefahrer
3. Teil – Antarktis
Der Sturm dauerte volle zwei Tage. Wir waren sehr erleichtert, als wir endlich wieder in ruhigeres Fahrwasser kamen. Zum Glück ist niemanden groß was passiert. Es gab zwar zwei Tage keine Suppe und es fielen reihenweise die Leute beim Essen von den Stühlen. Eine Frau hatte eine Beule und eine andere eine abgeschürfte Nase, aber nichts Ernsteres. Dafür hatte die Seekrankheit viele dahingerafft und erst mit weniger Wellengang, war auch der Essenssaal wieder voll belegt. Durch den Sturm haben wir ca. einen halben Tag verloren, denn der Kapitän musste das Schiff langsamer fahren lassen, sonst hätten uns die Wellen noch mehr mitgenommen.
Bei relativ ruhiger See und einem Mix aus Sonnenschein und Wolken kam Elephant Island in Sicht. Hier überwinterte Shackletons Mannschaft und von hier brach Shakleton mit einem kleinen Boot und ein paar Männern auf nach Südgeorgien, um Hilfe zu holen.
Laut unserer Expeditionsleiterin hatten wir wieder extrem Glück mit dem Wetter, denn normalerweise liegt hier alles im Nebel. Wir machten mit den Zodiaks eine Tour und schauten uns Gletscher, ein paar Felsen und Buchten an. Ein riesiger Eisberg bahnte sich langsam seinen Weg ins Meer. Er schimmerte in den schönsten Blautönen. Massen an Pinguinen und Wasservögeln nisteten auf den schroffen Felsen. Wir landeten sogar für ein paar Minuten an und besuchten ein paar Pinguine zu Hause.
Kaum waren wir wieder an Bord und tauten langsam auf, war Elephant Island in dem berüchtigten Nebel verschwunden, als ob es nie dagewesen wäre.




Von einem Schwarm Sturmvögel begleitet fuhren wir durch eine enge Durchfahrt in die Caldera von Deception Island hinein. Hier ist ein riesiger Krater und am schwarzen Lavastrand rauchte es leicht aus der Erde. Diesmal bekamen wir keine kalten Füße in den Gummistiefeln, denn der Sand war richtig warm.
Auch hier befinden sich wieder die Überreste eine Walfangstation und zahlreiche Walknochen liegen am Strand herum. Vereinzelt sahen wir ein paar Zügel- und Eselspinguine, aber diesmal waren wir zum Wandern da. Zuerst ging es am Strand entlang und erklommen Neptuns Window über einen Weg durch Geröll und Lavasand. Wir genossen eine grandiose Aussicht über unsere Bucht und konnten auf der anderen Seite ins offene Meer schauen.
Danach wanderten wir zum anderen Ende der Bucht und kraxelten auf einen etwas steileren Berg. Hier war die Aussicht noch sagenhafter. Auf dem Rückweg zum Zodiak schauten wir uns die verfallenen Häuser der Walfangstation an.
Ian spielte für uns in einem riesigen eisernen Tranaufbewahrungsbehälter ein Lied auf der Flöte. Die Akustik war sagenhaft und das Lied ging uns mitten ins Herz. So viel Qual und Tod hat es hier gegeben, aber zum Glück sind diese Zeiten vorbei.




Sehr früh war die Nacht zu Ende. Das Wetter war zwar nicht so toll, denn eine dicke Wolkenschicht lag über den Bergen, aber wir befanden uns mittlerweile in einem Kanal und fuhren sehr dicht an schneebedeckten Bergen und Gletschern vorbei. Immer wieder wichen wir Eisbergen aus, die nun immer zahlreicher wurden und in den verschiedensten Formen an uns vorbei schwammen. Es war grandios, jetzt waren wir endlich in der Antarktis angekommen, wie man sie sich vorstellt. Wo Schnee und Eis die Landschaft bestimmen, die Wolken tief hängen und man gar nicht weiß, wohin man zuerst schauen soll.
Immer mehr bahnte sich die Sonne einen Weg durch die Wolken und beschien das Eis spotweise in warmen Farben. Es war fantastisch. Leider wehte ein sehr eisiger Wind, der uns bald bis auf die Knochen ausgekühlt hatte. Auf dem Meer tanzten Schaumkronen.
Nach dem Frühstück landeten wir in Port Lockroy, besuchten dort das Museum und den Shop und fuhren danach mit dem Zodiak zu einer Eselspinguin Kolonie. Der Wind pfiff uns eisig um die Ohren mit Windstärke 7. Mich hat er mehrmals umgeworfen, denn wir mussten durch den Tiefschnee stapfen und dann noch gegen den Sturm ankämpfen. Chris hat es gleich noch etwas ärger erwischt, denn er sackte im Schnee ein, fiel dadurch auf die Knie und landete mit seiner Lippe hart auf der Kamera. Zum Glück war nichts gerissen, aber seine Lippe war sofort stark geschwollen und ist blau angelaufen.








Nach dem Mittag fuhren wir durch die Southern Gerlache Strait bis in die Andvord Bay. Eine traumhafte Bergkulisse mit hellblauen Eisbergen und ins Meer auslaufenden Gletschern. Der Wind hatte sich fast völlig gelegt, die Sonne schien und es war relativ warm.
Am Nachmittag landen wir in Neko Harbour an. Eselspinguine sind fleißig am Nest bauen, so wird der Partner liebkost, das Nest mit Steinen erweitert oder einfach mal der Nachbar geärgert.
Natürlich bewegten wir uns auch etwas und so folgten wir einem Trampelpfad durch den Schnee bis auf einen Berggipfel hinauf. Man muss höllisch aufpassen, denn ein Schritt neben den festen Pfad und schon sinkt man mindestens bis zum Knie ein. Sehr beeindruckend fanden wir, dass die Fußspuren sofort blau leuchteten.
Vom Gipfel hatten wir eine hervorragende Aussicht auf den Gletscher unter uns, aber er tat uns nicht den Gefallen zu kalben. Zwar ächzte und stöhnte er vernehmlich, aber dann geschah doch nichts.
Hinunter rutschten die Meisten auf dem Hosenboden, aber leider waren wir mit der Ausrüstung bepackt und so gingen wir den Weg tapfer wieder hinab.
Unten angekommen beobachteten wir noch eine Wedellrobbe, die müde am Strand lag und die kleinen Pinguine auf ihren deutlich sichtbaren Straßen.








Diesmal gab es auch noch nach dem Abendessen eine Anlandung. Wieder ging es mit dem Zodiak an Land, diesmal in Paradies Bay. Hier befindet sich eine kleine argentinische Forschungsstation und natürlich nisten hier auch wieder Pinguine. Wieder erkämpften wir uns eine gigantische Aussicht, indem wir uns mühsam durch den Schnee quälten. Immer wieder sanken wir durch das Eis in den Schnee und mussten uns erst wieder mühsam befreien. Hinzu kam, dass der Berg diesmal recht steil war, aber die Aussicht auf die andere Bergseite und in die Bucht unter uns, ließen uns die Anstrengung schnell vergessen. Um 21 Uhr stand die Sonne schon etwas tiefer am Himmel und kämpfte mit den Wolken, das Wasser schimmerte golden und Pinguine schwammen in der Bucht.
Danach machen wir noch eine Zodiaktour durch die Eisberge und an einem Gletscher entlang. Es war einfach unbeschreiblich schön, aber auf dem Boot kühlt man einfach viel zu sehr aus. Schlotternd kamen wir wieder auf dem Schiff an und gingen erst einmal heiß duschen.




Chris stand schon um 2.30 Uhr (Sonnenaufgang um 2:34 – Sonnenuntergang um 23:31) auf und sah das erste rötliche Leuchten auf den vereisten Berggipfeln. Tja, wie Ihr Euch sicher vorstellen könnt, verschlief ich seinen heldenhaften Einsatz, aber nur um ca. 1 Stunde, dann wurde auch ich wach und schaute aus dem Fenster. Die Sonne beschien gerade einmal den halben Eisberg und er leuchtete golden im warmen Licht. Da half alles nichts, ich musste raus. Warm eingemummelt und mit dem Foto bewaffnet ging ich ans Deck und war ganz alleine dort. alle schliefen noch und Chris war auf der Brücke. So gehörten diese Momente in einer Traumlandschaft aus Bergen, Gletschern, Eis und Meer mir ganz alleine.
Hier in der Antarktis dauerten die Dämmerung und das tolle Licht doch wirklich zwei Stunden, erst dann wurden die Farben normal.
Heute nach dem Frühstück hatten wir noch eine letzte ganz besondere Anlandung, denn wir besuchten eine Kolonie von Adelie Pinguinen. Das sind kleine flinke Flitzer, die auf freien Felsen nisten und ebenfalls Steinnester bauen. Sie fallen besonders durch ihren hellen Augenring auf, denn so sind die Augen natürlich besonders betont.
Es war zwar zugezogen, aber zum Glück nicht so kalt. Wir wanderten durch den Schnee zu den Kolonien und wieder das gleiche Spiel, immer wenn man dachte der Weg ist gut, sackte man im Schnee ein und musste sich wieder frei kämpfen.
Auch diesmal gab es danach noch eine Zodiakfahrt durch das Packeis. Wir landeten sogar an einer großen Scholle an und gingen aufs Eis. Das war ein cooles Gefühl irgendwie ein Teil der Eiswelt zu sein. Wir spürten, wie sie sich unter uns bewegte. Auf der Naschbarscholle lag faul eine Krabbenfresserrobbe.
Das war leider unser letzter Ausflug und nur ging es nur noch mit dem Schiff durch die Kanäle, vorbei an Port Lockroy zurück ins offenen Meer. Das Wetter zeigte sich noch einmal von seiner schönsten Seite und so strahlten uns die Eisberge förmlich entgegen. Stundenlang standen wir auf dem Deck, schauten die arktische Eiswelt an und saugten noch einmal alles in uns auf. Hier hätten wir gerne noch ein paar Tage länger verbracht, auch wenn es furchtbar anstrengend war, aber verwöhnte Kreuzfahrttouristen halten einfach nicht mehr so viel aus.








Jetzt fahren wir auf der berühmte Drake Passage. Die Windstärke liegt bei 8, die Wellen sind ca. 5-6 Meter hoch und unser Schiff schaukelt schon arg. Die Decks dürfen nicht mehr betreten werden und die Vorträge wurden abgesagt, damit nicht zu viele Leute durch das Schiff laufen – die Verletzungsgefahr ist einfach zu hoch. Immer wieder verlieren wir den Horizont aus den Augen, da wir in ein Wellental fahren und schaumgekrönte, windgepeitschte Wellen sich auftürmen. Ab und zu werden auch unsere Fenster mit Wasser beschüttet, aber wenigstens sind sie wieder offen und nicht mehr mit den dichten Metallverschalungen verschlossen. Mit etwas Glück lässt der Wind jedoch gegen Nachmittag etwas nach. Beim Frühstück sind schon wieder die Teller geflogen und auch mich hätte es beinahe samt dem Stuhl umgeworfen. Ein anderer Passagier konnte sich nicht mehr halten und lag mit dem Stuhl quer auf dem Gang.
Tja, nun ist die schöne Zeit auch schon wieder vorbei und das Erlebnis Antarktis liegt hinter uns. Anfangs waren wir etwas enttäuscht, denn wir hatten eigentlich viel mehr Schnee und Eis erwartet, aber zum Glück steigerte sich die Landschaft, samt Schnee- und Eismassen noch, bis wir im Packeis waren. Die Zeit hier war irgendwie zu kurz, auch wenn wir sie mit bis zu drei Ausflügen am Tag voll genutzt haben. Tiere haben wir leider nicht so viele gesehen, wie wir uns erhofft hatten. Natürlich ist alles eine Glückssache und die Anwesenheit der Tiere hängt vorrangig vom Nahrungsangebot ab. Trotzdem haben wir die Zeit in vollen Zügen genossen und die Antarktis hat uns sicher nicht zum letzten Mal gesehen.
Jetzt freuen wir uns auf den zweiten Teil unserer Reise und bis dahin schaukeln wir langsam aber sicher dem Hafen von Ushuaia entgegen.
Ich hoffe, der Bericht ist nicht zu lang geworden, aber ein paar Worte zu jeder Anlandung mussten einfach sein.
Liebe Grüße, Chris und Andrea
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